Der Fall Jamal Khashoggi – eine digital-forensische Analyse

Google wird heute bei nahezu allen Aktivitäten des täglichen Lebens eingebunden und genutzt. Das schließt terroristische Planungen, oder die eines Mordkomplotts nicht aus. Bei der Suche nach Informationen hinterlassen die späteren Täter digitale Spuren, die sich mit Hilfe von Google sichtbar machen lassen.

Zusammenfassung

  • Google wurden zum Sammeln von Informationen zur Person Khashoggi vor dem 02.10.2018 genutzt.
  • Es existieren Planungsindizien rund um das saudische Konsulat in Istanbul.
  • Das saudische Königshaus beobachtet die internationalen Reaktionen der eigenen Presseerklärung zur Tatbeteiligung ganz genau.
  • Es lassen sich Hinweise auf eine Khashoggi-Doppelgänger-Suche finden.
  • Der türkische Präsidenten erhält eine besondere politische Bedeutung für die Saudis.
  • Google Trends liefert plötzlich für den Tatzeitraum keine nutzbaren Daten mehr aus.
  • Auffällige Suche nach Möglichkeiten zum Löschen von Google-Daten.

Im Folgenden haben wir digitale Indizien zusammengetragen, die die Rolle der saudischen Führung in Bezug auf den Mord des Regime-kritischen Journalisten Jamal Khashoggi beschreiben sollen. Dazu nutzen wir in erster Linie die Analysemöglichkeiten von Google Trends, mit dessen Hilfe sich die Suchvolumina im zeitlichen Verlauf, aufgeschlüsselt nach Herkunft, abfragen lassen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die Datenqualität nach betrachtetem Zeitfenster unterscheidet. Nur geringe Suchvolumina lassen sich im Detail nur für die letzten 7 Tage zum Zeitpunkt des Abrufes ermitteln. Weiter in der Vergangenheit liegende Daten werden gebündelt und komprimiert und gehen somit mit einem qualitativen Datenverlust einher.

Suchanfragen im Kontext “khashoggi”

Jamal Khashoggi verschwand am 02.10.2018 im Gebäude des Saudi Arabischen Konsulates in Istanbul. Türkische Medien gaben an, dass einen Tag zuvor ein 15-köpfiges Team aus Saudi-Arabien eingeflogen sei. Wir prüfen nun, ob wir Hinweise zur Planung finden können. Dazu betrachten wir uns zunächst das Suchvolumen zur Person in Saudi-Arabien:

Wir können hier erkennen, dass bereits vor dem 02.10.2018 in Saudi-Arabien nach “jamal khashoggi” gesucht wurde. Wir können auch feststellen, dass – neben der allgemeinen Google-Suche – offenbar nach Videomaterial bei Youtube zur Person gesucht wurde; möglicherweise um diese später leichter identifizieren zu können: 

Das saudische Konsulat in Istanbul 

Am 01.10., also einen Tag vor dem Mord, wurden von saudischem Boden aus vermehrt Suchanfragen zum Konsulat in Istanbul formuliert. Diese könnten im Rahmen eines Besuches, bzw. Vorbereitung einer Reise von Saudi-Arabien aus abgesetzt worden sein:

Auch Nachfragen zur Stadt Istanbul gab es von saudischem Boden aus:

Suchanfragen zum Mitarbeiter im Konsulat, al-Otaibi, lassen jedoch keinen Zusammenhang zum beschriebenen Fall erkennen. Von saudischer Seite aus wurde der Namen (von Riad aus) in unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal nachgefragt:

 

Auch von türkischer Seite aus gab es zu dieser Person nur eine geringe Nachfrage, die in keinerlei Bezug zu stehen scheint: 

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