Die Flüchtlingskrise und die AfD

Wie wir eben gesehen haben, existieren durchaus sehr starke politische Themen. Kaum eines ist jedoch emotional so aufgeladen, wie das der sog. „Flüchtlingskrise“. Schauen wir uns zunächst an, wie die Wähler mit dieser Thematik umgehen. Welche Anzeichen lassen sich dazu bei Google finden?

Suchverhalten

Mittels Google Correlate lassen sich semantische Korrelationen ableiten, die mit dieser Thematik assoziiert werden. So weist die folgende Abbildung solche Suchphrasen aus, die einen ähnlichen Suchverlauf genommen haben, wie das Suchvolumen zu „antanzen“: 

Quelle: Google Correlate

Quelle: Google Correlate

Immer also, wenn nach „antanzen“ gesucht wurde, stieg auch die Anzahl der Suchvorgänge nach „selbstverteidigungswaffen“, „pfefferspray test“ und „teleskopschlagstock kaufen“. Die Suche  nach „kriminalität“ wird nachweislich mit „ausländer“ und „migration“ assoziiert: 

Auf dem Hintergrund der Betrachtung der Landtagswahl in Bayern müssen wir regional differenzieren. Die folgende Abbildung zeigt das Suchvolumen zu „ausländer raus“:

Quelle: Google Trends

In Sachsen wird nicht nur überproportional häufig nach „ausländer raus“ bei Google gesucht. Auch die AfD erreicht dort die größte Nachfrage:

Quelle: Google Trends

Brechen wir die Nachfrage auf die Städte herunter, so finden wir, nicht überraschend, für Chemnitz, Dresden und Leipzig das größte Suchvolumen:

Quelle: Google Trends

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die AfD mit rechtspopulistischen Aspekten assoziiert wird. Die folgende Auswertung zeigt, dass die Suche nach „rechtspoluplistisch“ mit einer Vielzahl an Suchanfragen rund um die AfD formuliert wurden:

Quelle: Google Correlate

Dies lässt den Rückschluss zu, dass zumindest ein Zweifel bezüglich dieser Frage besteht und Aufklärung gewünscht wird. Vor diesem Hintergrund erzielt die AfD auch einige Platzierung im Kontext „npd“:

Sprache

Wir möchten nun überprüfen, ob die gerade geschilderten Beobachtungen auch auf der Website der Partei reflektiert werden. Hier fällt zunächst auf, dass die Partei in Bayern mit einer Vielzahl an Suchphrasen gute Platzierungen erzielt, die im Kontext „gewalt“ stehen:


Beispiel im Lab öffnen

Insgesamt zählen wir hier 23 Top-100-Platzierungen:

In Bayern wird die tendenziell eher hypertrophe Kommunikation in erster Linie zum Angriff etablierter politischer Strukturen genutzt. Interessant scheint hierbei, dass die AfD relativ häufig über solche Suchphrasen bei Google gefunden wird, die im Kontext „csu“ stehen:

  

Insgesamt kommen CSU (Gelb) und AfD (Blau) auf 86 identische Suchphrasen in den Top-100, die sich wie folgt verteilen:


Beispiel im Lab öffnen

Der inhaltliche Angriff seitens der AfD gegen die CSU lässt sich also auch in den Suchergebnissen erkennen. Wir können ebenso ableiten, dass vergleichbare Attacken seitens der CSU gegen die AfD nicht erfolgen. Insgesamt finden wir für csu.de nur 14 Top-100-Platzierungen, die im Kontext „afd“ stehen:

Die Kommunikation der AfD Bayern erzielt auch mit Attacken auf die Bundespolitik einige prominente Platzierungen:

Damit erzielt die AfD mehr Top-100-Platzierungen, die „merkel“ thematisieren, als die CDU-Schwesternpartei CSU:

Bubble-Effekt und Konsensglaube

Wahlen können oftmals von der Annahme eines anscheinenden, übergreifenden Konsenses beeinflusst werden. Erscheint die Zustimmung zu einer Partei sehr groß, so kann es vor allem bei Unentschlossenen oder Erstwählern zu einer Beeinflussung kommen. Möchte eine Partei überzeugen, dann wäre dies durch eine Inszenierung einer breiten Zustimmung machbar. Eine solche lässt sich vor allem über Soziale Medien einleiten. Hinzu kommt hier der sog. Bubble-Effekt, der den Konsenseindruck maßgeblich unterstützen kann. Denn Suchmaschinen und Soziale Netzwerke zeigen ihren Nutzern vor allem solche Inhalte und Medien, die von ihnen präferiert werden. Gegensätzliche Meinungsbilder gelangen so nur noch unzureichend in den Kommunikationskanal der Suchenden, was den Eindruck verstärkt, auch jeder andere würde genau so denken. 

Für die folgende Abbildung haben wir ausgewählte Platzierungen der Domain afd.de für Dresden (jeweils oberer Eintrag) und München (jeweils unterer Eintrag) miteinander verglichen:     

Quelle: ahrefs.com

Wie sich gut erkennen lässt, erhält die AfD in einigen Fällen in Dresden bessere Platzierungen als in München. Dieser – wenn auch nur schwache – Effekt lässt sich auf die unterschiedlichen Verhaltensweisen bei der Suche in den jeweiligen Bundesländern zurückführen. Da die AfD in Sachsen stärker nachgefragt wird als in Bayern, erhält diese dort auch für allgemeine Suchanfragen bessere Platzierungen. Auch wenn wir hier noch nicht von einem ausgeprägten Bubble-Effekt sprechen können, so zeigt sich doch der zugrunde liegende, eben beschriebene Mechanismus.

Der Aufbau einer Informationsblase zeigt sich jedoch noch an anderer Stelle: die Website der AfD Bayern erzielt gute Platzierungen für allgemeine Suchphrasen rund um die Landtagswahl. 

Werden kurz vor der Wahl solche generischen Suchphrasen abgesetzt und dann Informationen über gut platzierte AfD-Seiten abgerufen, kann dies leicht dazu führen, dass der Eindruck eines breiten Konsenses entsteht. Der Weg zur Wählerbeeinflussung ist damit nicht weit. 



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