Wir möchten uns nun noch ein paar ausgewählte Einzelaspekte der Parteien ansehen. Dabei fiel auf, dass es teilweise zu technischen und strukturellen Fehlern kommt. Wird die Struktur einer Website temporär geändert, so kann dies zu gravierenden Platzierungseinbrüchen führen. Auch die Umleitung auf alternative Inhalte will wohl überlegt und korrekt eingerichtet sein. So stellt sich die Frage, ob eine Umleitung von gruene-bayern.de auf ichwill.gruene-bayern.de nicht doch zu viele gute Platzierungen gefährdet, die die alte Startseite generieren konnte. Die bayerische FDP geht einen Schritt weiter und leitet nicht nur auf eine andere Subdomain, sondern auf eine andere Top-Level-Domain um: von fdp-bayern.de auf fdp-frisches.bayern. Das mag aus Sicht des Marketings verständlich sein, wenn jedoch gute Platzierungen in den Suchergebnissen wichtig sind, würde man von einem solchen Vorgehen abraten.

Beginnen möchten wir also mit der Partei Die Linke, die in Bayern alleine schon aus technischer Sicht ein wenig problematisch auftritt.

Die Linke

Besonders unverständlich scheint die Konfiguration von die-linke-bayern.de. Im Beobachtungszeitraum leitete diese Domain zunächst auf http://bonuama.hol.es/die-linke-bayern/ weiter, später dann zu http://die-linke-bayern.bonuama.de/. Abgesehen davon, dass Google & Co. auf diese Weise identische Inhalte über mehrere Adressen angeboten werden (Duplicate Content) und gute Platzierungen für die Startseite kaum möglich sind, so wirkt die Bereitstellung von Parteiinhalten auf unbekannten Domains nicht vertrauenswürdig, gar dilettantisch.

Betrachten wir uns den Quellcode der Seite, so gewinnen wir den Eindruck, dass gute Platzierungen in den Suchmaschinen ohnehin keine Rolle spielen, bzw. gar nicht gewünscht sind. Die Startseite wird aktiv von der Indexierung ausgeschlossen: 

So wundert es auch nicht, dass Themen, die für die Parteikommunikation durchaus eine wichtige Rolle spielen, in der Versenkung verschwinden.

Quelle: umgeleitete Startseite von die-linke.de

Während wir bei der Suche nach „polizeiaufgabengesetz“ Die Linke zu Beginn des Beobachtungszeitraumes noch finden konnten, fiel sie dann aber aus den Top-100 heraus.


Beispiel im Lab öffnen

AfD

Die Parteien finanzieren sich zu einem gewissen Teil durch Spenden. Interessant ist hier, dass lediglich die AfD kontinuierlich über Suchphrasen, die „spende“ beinhalten, auf den vordersten Plätze der Suchergebnisse zu finden ist. 


Beispiel im Lab öffnen

Insbesondere in Zusammenhang mit „paypal“ zeigt sich die Partei prominent in den Suchergebnissen – und auf der Höhe der Zeit:

Dabei gestatten auch andere Parteien, wie bspw. die SPD, die Spendenzahlung über Paypal. Bei der Zielgruppe scheint das jedoch nicht anzukommen, bzw. keine Rolle zu spielen.

SPD

Dafür zeigt sich die SPD in Bayern für viele Suchphrasen in den Suchergebnissen, die eigentlich unpassend erscheinen. Google scheint hier also nicht immer den thematischen Kontext korrekt zu erfassen. Denn die SPD erscheint nicht nur für „spd live stream“, sondern auch für viele weitere Suchphrasen, die im Kontext „stream“ und „bayern“ stehen:

Das 125-jährige Jubiläum der Partei führt aktuell auch dazu, dass geschichtliche Meilensteine der Partei nachgefragt und so mit guten Platzierungen ausgestattet werden:

In diesem Zusammenhang dürften auch die guten Platzierungen stehen, die im Kontext historischer Wahlplakate zu sehen sind:

CSU

Die CSU hingegen kann mehr als 5.100 Platzierungen über PDF-Dokumente erzielen:


Beispiel im Lab öffnen

Wie der Abbildung zu entnehmen ist, erzielen die Dokument keine homogene Verteilung, denn auf der ersten Suchergebnisseite finden wir deutlich weniger, als auf den weiteren. Dennoch finden wir in den Top-10 ein paar sehr wichtige Platzierungen, wie bspw. Suchphrasen im Kontext „flüchtlinge“ oder „wahlprogramm“: 

Dies scheint erstaunlich, denn in Anbetracht der thematischen Bedeutung würde man mit einem entsprechend aufbereiteten HTML-Dokument eine solche Platzierung leichter sicherstellen können.

Die Grünen

Die Grünen zeigen, dass sich selbst mit Excel-Dateien gute Platzierungen bei Google erzielen lassen – auch wenn diese thematisch wohl keine Bedeutung für die Landtagswahl haben:

FDP

Der FDP ist es in Bayern gelungen, den Grünen nicht: die Positionierung der Drogenlegalisierung. Die FDP kann mehrere gute Platzierungen im Kontext „cannabis“ und „rauschmittel“ vorweisen, die von der Wählerschaft auch so gesucht werden:

Und auch bei der Unterstützung der Eltern bei der Finanzierung von Kindertagesstätten, sticht die FDP die SPD aus – die ein ähnliches Angebot nicht so recht „auf die Strasse“ bekommen mag. Das liegt auch an der Formulierung der Wahlversprechen. Das von der SPD verwendete „beitragsfrei“ wird in diesem Kontext einfach seltener nachgefragt als „zuschuss“, so wie es die FDP verwendet.

Quelle: https://fdp-bayern.de/news/fdp-entlastet-familien-100-euro-kindergartenzuschuss/

Quelle: https://bayernspd.de/wahlen/kurzwahlprogramm/?kapitel=2

ÖDP

In der bisherigen Betrachtung sind die kleineren Parteien noch nicht detailliert betrachtet worden. Dies mag aber auch an dem eher dürftigen kommunikativen Spektrum und der damit einhergehenden mageren Präsenz in den Suchergebnissen liegen. Filtern wir bspw. bei der ÖDP alle Suchphrasen heraus, die den Parteinamen beinhalten, so bleiben lediglich 3 Platzierungen in den Top-10 übrig:

Die ÖDP präsentiert sich damit inhaltlich äußerst begrenzt. Da das Suchvolumen zu diesen Platzierungen äußerst überschaubar ist, sind tiefere Analysen von geringer Bedeutung.

Freie Wähler

Ein wenig besser sieht es bei den Freien Wählern aus. Diese konnten innerhalb des Beobachtungszeitraumes die Anzahl ihrer Platzierungen bei Google von 116 auf 234 mehr als verdoppeln.

Die Anzahl der platzierten Links erhöhte sich dabei von 27 auf 81. Wenn wir uns aber den Zuwachs an Begriffen genau anschauen, so stellen wir fest, dass in den neuen Suchphrasen in erster Linie „Altbekanntes“ steckt:

Es handelt sich also um navigationsorienterte Suchphrasen, die nur dann gesucht werden, wenn die Partei bereits bekannt ist. Die beobachtete Entwicklung wird also wohl kaum Einfluss auf die Wahrnehmung der Partei nehmen.   

Bayernpartei

Die Grenzen des inhaltlichen Spektrums erkennen wir auch bei der Bayernpartei. 

 



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